Vier unterschiedlich farbige Hundeköpfe im Profil auf orangefarbenem Hintergrund, dazu Schriftzug: Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland
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Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland
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Stellungnahme der GTVMT zur SAT-1 Sendereihe "Projekt Superhund"

Februar 2018

 

Sat 1 Format Projekt Superhund


Bei der Sendereihe „Projekt Superhund“ handelt es sich um eine Sendung im
Dokutainmentformat, in welcher von zwei Hundetrainern Hunde aus dem
Tierschutz/Tierheim gesucht werden, die Hilfeleistungen für ihre neuen, beeinträchtigten
Besitzer erbringen sollen.
Man sieht den Weg vom Vorstellen der Personen über das „Kennenlernen von Hundetrainer
und zukünftigem Besitzer“, der Auswahl des Hundes, der Übergabe des Hundes, Probleme,
die im Alltag auftreten, Trainingstipps bis hin zur abschließenden „Prüfung“ mit emotionalem
Resümee der geglückten Zusammenführung.

 

Durch dieses Sendeformat wird den in der Regel wenig informierten Zuschauern
vorgegaukelt, dass Hunde, sogar solche aus dem Tierschutz, schnell und einfach zu
Hilfeleistungen gebracht werden können. Diese Darstellung kann in Deutschland dazu
führen, dass sich die Situation der Assistenzhunde verschlechtert, denn deren Ausbildung
und Tätigkeit ist ohnehin noch nicht gesetzlich geregelt. Die aktuellen Bemühungen
sachkundiger Institutionen und Personen um Qualitätsoptimierung in der Ausbildung und
Verbesserung der rechtlichen Grundlagen zum Thema Assistenzhunde in Deutschland
werden so konterkariert.

 

Die Begründung der Auswahl der Hunde wird, wenn auch nur rudimentär, dargestellt:
Beispielsweise wird ein Hund nur kurz mit einem leeren Rollstuhl konfrontiert, und wenn er
nicht davor zurückschreckt, wird der Hund als geeignet eingestuft, neben einem Rollstuhl zu
laufen. Die neuen Besitzer scheinen kein Mitspracherecht bei der Auswahl der Hunde zu
haben, sie bekommen ihn überreicht und sollen sehen, wie sie mit ihm zurechtkommen.
Einige der bisher vorgestellten Hunde zeigen ein ausgeprägtes Stressverhalten, auf das nur
unzureichend hingewiesen und eingegangen wird. Einer der Hunde wurde kurzfristig ohne
Hinweise auf gesundheitliche Aspekte, rechtliche Vorschriften, notwendige Untersuchungen
etc. aus der Türkei importiert und direkt ins Training integriert. Es werden Methoden wie
Reizüberflutung oder positive Strafe eingesetzt, die unter Tierschutzgesichtspunkten sehr
fragwürdig sind und wahrscheinlich nicht zu einem entspannten zukünftigen Hundeverhalten
sowie einer guten Mensch-Tier-Beziehung führen werden.

Die Eingliederungszeit und die anschließende Trainingszeit sind wesentlich zu kurz, was
Auswirkungen auf die Trainingsqualität haben wird. Auch diese Thematik wird in der
Sendung nicht angesprochen. Ein Assistenzhund muss jedoch seine Hilfestellung verlässlich
anbieten, was nur durch sehr umfangreiches, professionelles Training zu erzielen ist.
In „gestellten“ Szenen zeigen Hunde ein unerwünschtes Verhalten bzw. werden animiert, es
zu zeigen, damit anschließend Trainingstipps der Hundetrainer gegeben werden können.
Hier besteht das Risiko, dass Laien dies zu Hause nachmachen und dadurch z.B.
Problemverhalten erst auslösen. Zum Teil werden Anforderungen an die Hunde gestellt,
denen sie aufgrund ihres Alters körperlich noch nicht gewachsen sind.
Da es sich bei den neuen Besitzern um Ersthundehalter mit meist wenig Sachkompetenz
zum Thema Hundehaltung handelt, haben diese eine hohe Erwartung an ihre zukünftigen
Hunde. Das notwendige Wissen und auch eine strukturierte Trainingsanleitung werden ihnen
während der gezeigten Sequenzen nicht vermittelt, so dass sie unbegleitet in zum Teil
gefährliche Situationen laufen.
Die Idee, Hunde aus dem Tierschutz im Bereich der tiergestützten Therapie einzusetzen,
kann generell kontrovers diskutiert werden; es wird auf die umfangreiche wissenschaftliche
Literatur zu diesem Thema verwiesen. Aufgrund der unbekannten und teilweise vermutlich
schlechten früheren Haltungsbedingungen der einzelnen Hunde ist jedoch eine wesentlich
intensivere und kompetent angeleitete Vorbereitungszeit erforderlich, ehe an weiterführende
Trainingsmaßnahmen gedacht werden sollte. Diese Information sollte an die Zuschauer
unbedingt weitergegeben werden, da unter anderem die Relevanz des §3
Tierschutzgesetzes (Verbot, Tieren Leistungen abzuverlangen, denen sie offensichtlich nicht
gewachsen sind) bedacht werden muss. Auch sollten in so einem Projekt nur entsprechend
geschulte und erfahrene Trainer und ggf. der Humantherapeut miteinbezogen werden.
Fazit:
Aktuell wird bei den Zuschauern der Eindruck geweckt, dass diese Form von Training ohne
Probleme mit jedem Hund ohne weitere Unterstützung in kurzer Zeit durchgeführt werden
kann. Dies ist definitiv unrealistisch und unter dem Aspekt des Tier- und Menschenschutzes
sehr bedenklich. Von dem hier gezeigten „Ausbildungsweg“ muss aus therapeutischer und
tierärztlicher Sicht abgeraten werden.


GTVMT

Weiterführende Literatur kann bei uns angefragt werden.

 

1. Vorsitzende: Dr. Barbara Schöning 0049 (0)40 69 79 62 48 vorstand@gtvmt.de
2. Vorsitzende: Dr. Hildegard Jung 0049 (0)89 36 19 69 39 vorstand@gtvmt.de
Schriftführerin: Dr. Daniela Zurr vorstand@gtvmt.de
Kassenführerin: Dr. Dr. Stephanie Ott vorstand@gtvmt.de
Beisitzerin Dr. Angela Schwarzer vorstand@gtvmt.de

hier als Download: Stellungnahme GTVMT zu SAT-1-Superhund
Stellungnahme SAT-1-Superhund.pdf
PDF-Dokument [94.6 KB]

Aktuelles/News

Pressemitteilung vom 01.06.2017

AKAD (Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland) stellt Definition des Assistenzhundes vor. 
 

Assistenzhunde werden vielfach zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung oder Krankheit eingesetzt, haben aber bis heute keine gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Erste Bestrebungen und Anträge der Bundesländer drängen nun auch die Bundesebene, den Bereich der Assistenzhunde durch entsprechend gesetzliche Verankerungen und Kennzeichnungen eben dieser zu regeln. Der AKAD begrüßt diese mehrheitlichen Bestrebungen ausdrücklich. Dennoch kritisiert der AKAD Bundesländer wie zum Beispiel Bayern, die sich aus ihrer Verantwortung als Land gerne herausziehen möchten. So geschehen in der Plenarsitzung vom 25.04.2017, in der gegen den Antrag der SPD zur Finanzierung und Ausbildung von Assistenzhunden namentlich gestimmt wurde, hauptsächlich mit der Begründung, dies läge bereits der Bundesregierung vor und müsse daher nicht auf Länderebene behandelt werden. Der AKAD bedauert sehr, dass Bayern respektive die CSU eine Unterstützung in der Beschleunigung und Gewichtung eines Gesetzesentwurfs auf Bundesebene versagt bzw. eine Regelung auf Länderebene nicht für notwendig hält. Dabei wurde vollkommen vernachlässigt, dass die Bundesratsentschließung vom 10.02.2017 ohne Fristen gefasst wurde und damit eine Behandlung auf Bundesebene in weite Ferne zu rutschen droht. 

Der AKAD setzt sich nicht nur zum Ziel, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, sondern auch bereits im Vorfeld freiwillige Qualitätsstandards zu formulieren und anzuwenden. „Die Mühlen der Politik mahlen zu langsam, wir brauchen jetzt Richtlinien und Standards, auf die sich AusbilderInnen und AssistenznehmerInnen berufen können.“, so die SprecherInnen des AKADs. 
Eine Vielzahl von Assistenzhunden unterstützt schon heute Menschen mit Behinderung oder Krankheit im Alltag. Diese vielseitigen Einsatzbereiche und Assistenzzwecke werden nun durch den AKAD in seiner Definition zusammengefasst und vorgestellt. Grundlage für eine gesetzliche Verankerung ist aus Sicht des AKAD zunächst die Definition des Begriffs „Assistenzhund“. 

1) Ein Assistenzhund ist ein Hund, der sich bei Nachweis der erforderlichen Gesundheit und seiner wesensmäßigen Eignung, sowie nach Absolvierung einer speziellen individuellen Ausbildung (durch eine Ausbildungsstätte oder den/die HalterIn selbst) , vor allem im Hinblick auf Sozial- und Umweltverhalten, sein Gehorsam und spezifische Hilfeleistungen ,besonders zur Unterstützung eines Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, für den er ein medizinisches Hilfsmittel darstellt, eignet.

2) Assistenzhunde sollen zum Zwecke der Erweiterung der Selbstbestimmung und Teilhabe, sowie der Bewältigung bestimmter Aufgaben der alltäglichen Lebensführung von Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung in allen Lebensbereichen eingesetzt werden und dauernd bei der betroffenen Person leben. Darüber hinaus leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Kommunikation und zum Abbau von einstellungsmäßigen Barrieren in der Gesellschaft.

3) Als Assistenzhunde gelten Blindenführhunde, Servicehunde und Signalhunde nach Maßgabe der Absätze 4 bis 6.

4) Der Blindenführhund soll den Menschen mit Behinderung im Bereich der Mobilität weitgehend unterstützen. Er soll die optische Wahrnehmungsbeeinträchtigung blinder oder hochgradig sehbehinderter Menschen ausgleichen und soll sie bei einer gefahrlosen Bewegung sowohl in vertrauter, als auch in fremder Umgebung unterstützen.

5) Der Servicehund soll Menschen mit Behinderung im Bereich der Mobilität unterstützen. Er soll für Menschen Hilfeleistungen bei jenen Verrichtungen des täglichen Lebens erbringen, die behinderungsbedingt ohne Unterstützung nur erschwert, unter gefährdenden Bedingungen oder gar nicht möglich wären. Neben den Basisfertigkeiten werden Servicehunde speziell im Hinblick auf den individuell erforderlichen Unterstützungsbedarf der betroffenen Person ausgebildet.

6) Signalhunde sollen einerseits dazu beitragen, die akustischen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen gehörloser Personen und von Menschen mit schwerer Hörbehinderung auszugleichen. Andererseits gibt es auch noch Signalhunde, die Menschen mit chronischen Erkrankungen oder psycho-sozialen Behinderungen in damit verbundenen gefährdenden Zuständen unterstützen und Veränderungen des Stoffwechsels oder des emotionalen Zustandes, sowie der Körperhaltung, die auf eine bevorstehende gesundheitsgefährdende Situation hindeuten, frühzeitig wahrnehmen und anzeigen/signalisieren. Es handelt sich dabei insbesondere um Hunde, die speziell für Menschen mit Diabetes, Epilepsie, sowie psycho-sozialen Behinderungen (z.B. PTBS, Depressionen, Autismus) eingesetzt werden.

7) Hunde, die Aufgaben aus mehreren Bereichen erfüllen, werden nach der Hauptfunktion bezeichnet.

8) Voraussetzung für die Bezeichnung als Assistenzhund ist die Überprüfung der Gesundheit und des Wesens des Hundes, sowie der Assistenzleistung des Assistenzhundeteams durch ein Sachverständigengremium. Hier wird die Leistung eines Assistenzhundeteams in den Bereichen theoretische Sachkunde beim/ bei der AssistenzhundehalterIn, Gehorsam und Assistenzleistung beim Assistenzhundeteam nach der Ausbildung überprüft und in Teamchecks weiter kontrolliert. Mindestens je ein AssistenzhundehalterIn mit Seh-, Hör-, motorischer und psychosozialer Beeinträchtigung muss bei der Qualitätssicherung der Prüfung durch das Sachverständigengremium beteiligt sein.

9) Die Halter/die Halterinnen von Assistenzhunden haben dafür Sorge zu tragen, den Hund artgerecht zu versorgen, die Fertigkeiten mit ihrem Hund zu trainieren, Vorsorge für Pausen und Freizeit des Hundes zu treffen und alles für die Erhaltung der Gesundheit des Hundes beizutragen.

10) Nähere Bestimmungen über die Kriterien zur Beurteilung, sowie die Anforderungen an die die Beurteilung durchführende Stelle, sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen von Assistenzhunden sind in Form von Richtlinien festzulegen.

 


 

Pressemitteilung Download
Pressemitteilung_06_17_AKAD.pdf
PDF-Dokument [71.5 KB]
25.04.2017
 

Der Antrag im Bayer. Landtag der Abgeordneten Ruth Waldmann (SPD) zur  Finanzierung und Ausbildung von Assistenzhunden wurde abgelehnt.

Der Landtag sollte hierbei beschließen: Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich auf Bundesebene für die Regelung der Ausbildung, des Einsatzes und der Finanzierung von Assistenzhunden einzusetzen. 
 
Den Gesamtantrag finden Sie hier: 
Die dazugehörige Debatte im Landtag finden Sie hier:
 

März 2017

 

Vorstellung eines Dissertationsprojekts

Mitglied des Arbeitskreises Assistenzhunde in Deutschland (AKAD) erforscht die Alltagserfahrungen von Führhundhalter_innen: Wie reagieren Sehende auf blinde Menschen und ihre Assistenz auf vier Pfoten?

 

 

Von Natalie Geese M.A. (Mitglied im Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland und Doktorandin an der Universität zu Köln)

 

 

Zum Download: Vorstellung Dissertationsprojekt Natalie Geese
Vorstellung_Dissertationsprojekt_AKAD_Na[...]
PDF-Dokument [246.2 KB]

Freitag, 10. Februar 2017
Entschliessung des Bundesrats

Der Bundesrat hat heute eine Entschließung gefasst, in der alle Assistenzhunde den Blindenführhunden gleichgestellt werden sollen. Die Länder appellieren an die Bundesregierung, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Krankenkassen alle Assistenzhunde als Hilfsmittel anerkennen und die Kosten für sie übernehmen.

Außerdem sollten die Tiere im Schwerbehindertenausweis eingetragen werden und so den Zugang der Behinderten zu öffentlichen Gebäuden, Lebensmittelgeschäften und Arztpraxen sicherstellen. Schließlich habe die Bundesregierung im nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenkonvention anerkannt, dass persönliche Mobilität zentrale Voraussetzung für eine selbstbestimmte Teilhabe sei.

Die Entschließung wird der Bundesregierung zugeleitet. Sie entscheidet, ob sie das Anliegen der Länder aufgreifen möchte.

Feste Fristen für die Behandlung innerhalb der Bundesregierung gibt es nicht.

http://www.bundesrat.de/…/plenum-kompakt-node.html;jsession…

Freitag, 10. Febraur 2017
Bundesratssitzung unter anderem zum Antrag des Landes Niedersachsen zum Thema Assistenzhunde


 

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