Vier unterschiedlich farbige Hundeköpfe im Profil auf orangefarbenem Hintergrund, dazu Schriftzug: Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland
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Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland
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Arbeitsergebnisse

 

Positionspapier des AKAD (Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland)

Der Bedarf an und Einsatz von Assistenzhunden in Deutschland wächst zunehmend, auch wenn konkrete Zahlen und Studien leider noch nicht zur Verfügung stehen. Fehlende gesetzliche Definitionen, Qualitätssicherungen und Regularien machen den Markt für AssistenznehmerInnen, ÄrztInnen, TherapeutenInnen und HundetrainerInnen intransparent und ermöglichen das Fortschreiten eines unkontrollierten Marktes mit großen finanziellen Verlusten und auch Gefahren für AssistenznehmerInnen, Ausbildungsstätten und Kostenträgern in diesem Bereich.

Ziel des AKAD ist es, sich für eine gemeinsame, einheitliche Qualitätssicherung von Assistenzhundeteams in Deutschland in den Bereichen Qualität und Gesundheit von Assistenzhunden, Qualitätssicherung von AssistenzhundeausbilderInnen und -prüferInnen und Sachkunde von AssistenzhundehalterInnen einzusetzen. Die Mitglieder des AKAD wollen gemeinsam die gesetzliche Verankerung der Definition des Assistenzhundes auf den Weg bringen, auf deren Basis dann weitere Richtlinien, Durchführungsverordnungen und Fortbildungsmaßnahmen erarbeitet werden können.

Eine gesetzliche Regelung ist daher für folgende Gruppen unabdingbar:

Assistenznehmende

Assistenznehmende brauchen die Gewährleistung, dass ihr ausgebildeter Assistenzhund einem einheitlichen Qualitätsstandard entspricht. Dies ist der Grundstein für eine Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Ausbildungsstätten- und wege. Erst durch den Qualitätsstandard und die gesetzliche Definition kann er ggf. Gewährleistungsansprüche geltend machen, Versicherungs- und Steuererleichterungen beantragen und gesonderte Zutrittsrechte erhalten. Zudem müssen Assistenznehmende sachkundiger im Bereich der Hundehaltung werden, um ihren Assistenzhund auch verantwortungsvoll halten und führen zu können. Bislang beriefen sich blinde Menschen auf ihr gesetzlich zugestandenes Recht auf das „Hilfsmittel Führhund“, welches sie, trainiert in Fremdausbildung, „erläutert“ in 2 bis 3 wöchiger Einführung und oftmals ohne jegliche Hundeerfahrung und Sachkunde zur Haltung von Hunden zur Verfügung gestellt bekamen. Fehl- oder Problemversorgungen sind daher keine Seltenheit. Das „Hilfsmittel“ Assistenzhund kann nur bei sachkundiger Haltung und Pflege durch einen gut geschulten Assistenznehmenden gute Dienste leisten und frei von Verhaltensproblemen oder ähnlichem bleiben.

Assistenzhunde

Ein Assistenzhund muss eindeutig in seinen Funktionen definiert sein und sich durch bestimmte Qualitätsmerkmale eindeutig von einem gut erzogenen Familienhund unterscheiden lassen. Diese Definition sollte so gehalten sein, dass sie für alle Anbietenden von Fremdausbildungen und auch assistierten Selbstausbildungen verbindlich und im Wettbewerb vergleichbar sind. 
Durch hohe Ansprüche an eine sorgfältige Auswahl und Ausbildung von Hund und zukünftiger/m HalterIn, profitieren auch die eingesetzten Assistenzhunde. Nur durch geregelte Standards kann dem Tierschutzaspekt in der Auswahl, der Ausbildung und dem Einsatz von Assistenzhunden ausreichend entsprochen werden. Bisher vorliegende Standards beziehen sich in erster Linie auf Assistenzhunde aus Fremdausbildung, aber auch die assistierte bedürfnisorientierte Selbstausbildung entspricht heute mehr einem aktuellen Tierschutz- und Inklusionsgedanken.

Assistenzhundeteams

Mensch und Hund müssen als Team funktionieren und auch als solches von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, indem es künftig eine einheitliche offizielle und für die AssistenzhundehalterInnen verpflichtende Kennzeichnung gibt. Zutrittsrechte für Teams müssen gesetzlich geregelt werden. So kann eine Teihabe und Inklusion von Assistenznehmenden im Alltag gewährleistet werden. Auch ist zu überlegen, einen Assistenzhund in einen vorhandenen Schwerbehindertenausweis einzutragen, unabhängig vom GdB. Schon das Merkzeichen B sollte die Zugangsrechte eines Assistenzhundes verbessern.

HundetrainerInnen

Eine gesetzliche Definition und entsprechende Verordnungen sind für sie unabdingbar, um die Qualität ihrer Dienstleitung zu messen und zu verteidigen. Nur so sind HundetrainerInnen in der Lage, ordnungsgemäß Assistenzhundeteams fertig auszubilden oder eine Selbstausbildung fachlich kompetent anzuleiten. AssistenzhundetrainerInnen sollten ihr Honorar unterteilt in erbrachten Leistungsabschnitten erhalten, um die oft unsäglichen Ausbildungsmethoden, die im Führhundbereich durch die Honorarzahlung erst bei bestandener Gespannprüfung entstehen, zu vermeiden. Nur so sind AssistenzhundetrainerInnen, die verantwortungsvoll arbeiten wollen, auch finanziell handlungsfähig. Die Art und Weise von möglichen von Finanzierungen und zeitnahen Honoraren muss noch in verschiedenen Modellen durchdacht werden.

ÄrztInnen und TherapeutInnen

Um den Nutzen eines Assistenzhundes in Bezug auf die Therapiemöglichkeiten abzuwägen, ist es für ÄrztInnen und TherapeutInnen von großem Belang eine klare Definition und Qualitätsmerkmal eines Assistenzhundes zu erhalten. Auch ist hier Aufklärungsarbeit im Hinblick auf den Sinn und die Grenzen des Assistenzhundeeinsatzes bei bestimmten Krankheitsbildern notwendig. Die Evaluation eines Assistenzhundes sollte durch Casereports, Studien und Veröffentlichungen wissenschaftlich verifiziert werden. Auch sollte der Assistenzhund immer im Rahmen einer offiziellen Diagnose (und dies kann in Deutschland nur durch ÄrztInnen erfolgen) durch eine/n zuständige/n Facharzt/ärztin verordnet werden, um auch hier Missbrauch und fehlender Sachkenntnis vorzubeugen und evtl. Kostenträger abzusichern.

ZüchterInnen

Eine gute Zuchtauswahl, auch im Hinblick auf Gesundheitsfragen, und optimale Sozialisierungsphasen, am besten immer in Rücksprache mit den AssistenzhundetrainerInnen, begünstigen den unkomplizierten Weg zu einem gesunden und leistungsfähigen Assistenzhund. Ebenso sollte ein unterstützendes Netzwerk geschaffen werden, in dem ältere, nicht mehr dienstfähige Assistenzhunde, die nicht ihren Lebensabend bei ihrem/r AssistenzhundehalterIn verbringen dürfen, versorgt werden können. Ein Assistenzhund ist ein Lebewesen und sollte als solches tierschutzgerecht und verantwortungsvoll aufgezogen, ausgebildet und eingesetzt werden und auch im Alter entsprechend respektvoll versorgt werden.

Die Öffentlichkeit

Durch geregelte Standards und eine daraus entstehende sorgfältige Vorbereitung des Assistenzhundeteams werden Gefährdungen oder Störungen der Allgemeinheit durch ungenügend ausgebildete oder ungeeignete Assistenzhunde vermieden. Die Hunde sind so eine Bereicherung der Gesellschaft und helfen Assistenznehmenden ihren Alltag möglichst barrierefrei zu bewältigen, ohne dabei andere Menschen zu behindern oder zu belästigen."

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Positionspapier_06_17_AKAD.pdf
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Der AKAD hat folgende Definition des Assistenzhundes erarbeitet:

 

 

1) Ein Assistenzhund ist ein Hund, der sich bei Nachweis der erforderlichen Gesundheit und seiner wesensmäßigen Eignung, sowie nach Absolvierung einer speziellen individuellen Ausbildung (durch eine Ausbildungsstätte oder den/die HalterIn selbst) , vor allem im Hinblick auf Sozial- und Umweltverhalten, sein Gehorsam und spezifische Hilfeleistungen ,besonders zur Unterstützung eines Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, für den er ein medizinisches Hilfsmittel darstellt, eignet.

2) Assistenzhunde sollen zum Zwecke der Erweiterung der Selbstbestimmung und Teilhabe, sowie der Bewältigung bestimmter Aufgaben der alltäglichen Lebensführung von Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung in allen Lebensbereichen eingesetzt werden und dauernd bei der betroffenen Person leben. Darüber hinaus leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Kommunikation und zum Abbau von einstellungsmäßigen Barrieren in der Gesellschaft.

3) Als Assistenzhunde gelten Blindenführhunde, Servicehunde und Signalhunde nach Maßgabe der Absätze 4 bis 6

4) Der Blindenführhund soll den Menschen mit Behinderung im Bereich der Mobilität weitgehend unterstützen. Er soll die optische Wahrnehmungsbeeinträchtigung blinder oder hochgradig sehbehinderter Menschen ausgleichen und soll sie bei einer gefahrlosen Bewegung sowohl in vertrauter, als auch in fremder Umgebung unterstützen.

5) Der Servicehund soll Menschen mit Behinderung im Bereich der Mobilität unterstützen. Er soll für Menschen Hilfeleistungen bei jenen Verrichtungen des täglichen Lebens erbringen, die behinderungsbedingt ohne Unterstützung nur erschwert, unter gefährdenden Bedingungen oder gar nicht möglich wären. Neben den Basisfertigkeiten werden Servicehunde speziell im Hinblick auf den individuell erforderlichen Unterstützungsbedarf der betroffenen Person ausgebildet.

6) Signalhunde sollen einerseits dazu beitragen, die akustischen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen gehörloser Personen und von Menschen mit schwerer Hörbehinderung auszugleichen. Andererseits gibt es auch noch Signalhunde, die Menschen mit chronischen Erkrankungen oder psycho-sozialen Behinderungen in damit verbundenen gefährdenden Zuständen unterstützen und Veränderungen des Stoffwechsels oder des emotionalen Zustandes, sowie der Körperhaltung, die auf eine bevorstehende gesundheitsgefährdende Situation hindeuten, frühzeitig wahrnehmen und anzeigen/signalisieren. Es handelt sich dabei insbesondere um Hunde, die speziell für Menschen mit Diabetes, Epilepsie, sowie psycho-sozialen Behinderungen (z.B. PTBS, Depressionen, Autismus) eingesetzt werden.

7) Hunde, die Aufgaben aus mehreren Bereichen erfüllen, werden nach der Hauptfunktion bezeichnet.

8) Voraussetzung für die Bezeichnung als Assistenzhund ist die Überprüfung der Gesundheit und des Wesens des Hundes, sowie der Assistenzleistung des Assistenzhundeteams durch ein Sachverständigengremium. Hier wird die Leistung eines Assistenzhundeteams in den Bereichen theoretische Sachkunde beim/ bei der AssistenzhundehalterIn, Gehorsam und Assistenzleistung beim Assistenzhundeteam nach der Ausbildung überprüft und in Teamchecks weiter kontrolliert. Mindestens je ein AssistenzhundehalterIn mit Seh-, Hör-, motorischer und psychosozialer Beeinträchtigung muss bei der Qualitätssicherung der Prüfung durch das Sachverständigengremium beteiligt sein.

9) Die Halter/die Halterinnen von Assistenzhunden haben dafür Sorge zu tragen, den Hund artgerecht zu versorgen, die Fertigkeiten mit ihrem Hund zu trainieren, Vorsorge für Pausen und Freizeit des Hundes zu treffen und alles für die Erhaltung der Gesundheit des Hundes beizutragen.

10) Nähere Bestimmungen über die Kriterien zur Beurteilung, sowie die Anforderungen an die die Beurteilung durchführende Stelle, sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen von Assistenzhunden sind in Form von Richtlinien festzulegen.

 

 

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Definition Assistenzhund vom Arbeitskreis Assistenzhunde in Deutschland
Definition_Assstenzhund_AKAD.pdf
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